Der Streisand-Effekt oder Wie ein Plan das Gegenteil bewirkt

Haben Sie schon einmal vom Streisand-Effekt gehört?

Stellen Sie sich vor, Sie sind berühmt, mit Fans, die Ihnen Nachrichten schicken, die sich auf jedes Foto von Ihnen freuen, und die einfach alles von Ihnen wissen wollen. Wo Sie wohnen, wie Sie leben, was Sie in Ihrer Freizeit tun usw. Wie fühlt sich das an? Spannend? Aufregend? Oder eher unangenehm?

In Zeiten von Instagram und TikTok teilen zwar genügend Menschen Informationen aller Art und vor allem Fotos, etwa von ihrem Mittagessen, ihren neuesten Outfits oder ihrer neuesten sportlichen Leistung. Aber selbst diese wollen nicht unbedingt, dass wirklich alle Follower:innen wissen, wo sie nun ganz genau wohnen.

Bei manchen liegt es daran, dass ihr Leben in Wahrheit doch nicht ganz so mondän ist, wie sie es auf ihren Kanälen darstellen. Bei anderen daran, dass sie wenigstens einen Ort haben wollen, an dem sie ihre Ruhe haben.

Kalifornies Küste


Ihre Ruhe haben wollte auch die Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand. Streisand hatte keine Lust darauf, dass ihre Fans wissen, wo und wie sie genau lebt, und dann möglicherweise vor ihrer Haustür auftauchen.

Als ein Fotograf auf einer Website Fotos von genau dem Küstenabschnitt Kaliforniens  veröffentlichte, an dem Barbra Streisands Grundstück liegt, war sie nicht begeistert. Die Bilder sollten die Erosion an der kalifornischen Küste dokumentieren. Dass darauf auch Barbra Streisands Grundstück zu sehen war, hatte niemand beachtet.

Die Geburt des Streisand-Effekts

Streisand verklagte den Fotografen auf Schadensersatz, viele Millionen Dollar. Sie wollte das Foto löschen lassen. Und – verlor. Nicht nur in Form der Klage. Denn das Gericht gab dem Fotografen recht und durch die Klage erfuhren die Fans überhaupt erst, wo Barbra Streisands Grundstück war. Von der Reputation gar nicht zu reden.

Das Foto von dem entsprechenden Küstenabschnitt verbreitete sich in kürzester Zeit via Internet und die Fans kamen. Hätte Barbra Streisand nicht geklagt, wäre das Bild unter den 12.000 anderen gar nicht weiter aufgefallen. Sie hatte genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich wollte: Die Information, die sie hatte geheim halten wollen, war weit über eine Datenbank im Internet hinaus bekannt. Und der Streisand-Effekt war geboren. 

Der Streisand-Effekt und die Unternehmenskommunikation - Beispiele

Was der Streisand-Effekt für Unternehmen und ihre Kommunikation bedeutet? Er wird jeden Tag wichtiger. Immer mehr Menschen nutzen das Internet und immer schneller verbreiten sich Informationen und Aussagen.

Ein schon etwas älteres Beispiel aus der Unternehmenskommunikation ist der Sportartikelhersteller JAKO: Ein Blogger hatte sich in einem Artikel negativ über dessen neues Logo geäußert. Gesehen hatten diesen Beitrag ein paar hundert Menschen. JAKO ebenfalls – und wollte juristisch dagegen vorgehen. Viele Medien berichteten darüber – sehr kritisch und mit negativem Effekt für die Reputation von JAKO. Und vor allem: sichtbar für deutlich mehr als ein paar hundert Menschen. Das Vorgehen von JAKO gilt seitdem als Negativ-Beispiel für Unternehmenskommunikation und für den Streisand-Effekt.

Ein anderes Beispiel ist Lego: Das Unternehmen ging gegen einen YouTuber vor, der regelmäßig in seinen Videos Bausteine von Lego, aber auch von anderen Herstellern nutzte. Versehentlich hatte er Steine eines anderen Herstellers als Steine von Lego bezeichnet. Er sollte die Videos löschen, was er auch tat. Dafür machte er ein Schreiben seines eigenen Anwalts öffentlich, der Streisand-Effekt nahm seinen Lauf und Lego bekam negative PR.

Täglich fordern Menschen in Unternehmen, einzelne Äußerungen im Internet zu löschen. Etwa eine kritische, aber völlig sachliche Produktbewertung. Oder auch eine tatsächlich unberechtigte Kritik.

Das ist verständlich und nachvollziehbar. Allerdings sollten die Maßnahmen angemessen sein. Denn oft macht erst die Reaktion darauf eine negative Äußerung überhaupt spannend – und andere darauf aufmerksam.


Wie der Streisand-Effekt funktioniert

Beim Streisand-Effekt geht es um umgekehrte Psychologie. Ein Geheimnis wird verraten. Das kriegt erstmal kaum jemand mit. Erst wenn sich jemand darüber aufregt und versucht, dieses Geheimnis wieder verschwinden zu lassen, werden viele Menschen auf das Thema aufmerksam. Das Entscheidende ist also nicht, dass das Geheimnis überhaupt öffentlich wurde. Erst die Schritte danach lenken das Interesse darauf.


Und was heißt das jetzt für die Unternehmenskommunikation in Sondersituationen?

Als Grundregel gilt: erstmal einen kühlen Kopf bewahren. Erst recht, wenn es um etwas Ungewohntes oder eventuell sogar Kritisches geht. Manchmal bedeutet das für die Unternehmenskommunikation sogar, dem Management ganz klar zu widersprechen.

Soll das eigene Unternehmen mit irgendetwas nicht in Verbindung gebracht werden, neigen viele im ersten Moment spontan dazu, sich aktiv wehren zu wollen, etwa mit einer Gegendarstellung oder auch rechtlichen Schritten.

Menschlich völlig verständlich und nachvollziehbar. Aus Kommunikationssicht manchmal gefährlich. Daher lieber einen Schritt zurücktreten und genau überlegen, was das Ziel ist und wie sich welche Aktivität auswirkt.

Wie sich Unternehmen vor dem Streisand-Effekt schützen – ganz praktisch

Den ersten Schritt zum Schutz Ihres Unternehmens vor dem Streisand-Effekt haben Sie schon getan: Sie haben bis hierher gelesen und wissen nun, worum es sich dabei handelt. Das allein hilft schon sehr.

Ein paar weitere Tipps gibt es dennoch:

Glühbirne: Hinweis zu Tipps gegen den Streisand-Effekt


  1. Prüfen, worum es eigentlich geht 
    Manchmal sieht ein Thema im ersten Moment relevant und wichtig aus. Ein genauerer Blick darauf zeigt dann: Es hat mit mir und meinem Unternehmen eigentlich gar nichts zu tun. Oder es bekommt keinerlei Aufmerksamkeit und ist morgen sowieso vergessen. Die einfachste Lösung.

  2. Die Akteure und ihre Absichten einschätzen
    Mit wem habe ich es denn überhaupt zu tun? Einer Organisation, die größere Ziele verfolgt? Einer Einzelperson, der versehentlich ein Fehler unterlaufen ist? Jemandem aus dem eigenen Unternehmen? Wie agieren sie? Und was wollen sie? Wollen sie falsche Informationen verbreiten? Oder geht es um eine individuelle Meinung? Bin ich mir darüber im Klaren, kann ich zielgerichtet agieren – oder es bewusst sein lassen.

  3. Einschätzen, wie bekannt das Thema bereits ist
    Wer hat denn überhaupt schon mitbekommen, dass es etwas gibt, was nicht bekannt(er) werden soll? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es noch mehr Menschen mitbekommen? Wie viel Aufmerksamkeit zieht das Thema auf sich?

  4. Prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, aktiv zu werden – und welche Folgen sie haben
    Setze ich den Anwalt drauf an, verlange ich eine Gegendarstellung, veröffentliche ich vielleicht selber eine, oder erreiche ich mit einer freundlichen Bitte eventuell mehr? Im Fall von Lego hätte wahrscheinlich ein kurzer Anruf oder eine Nachricht an den Blogger mit der Bitte, die fehlerhafte Zuordnung zu korrigieren, den Streisand-Effekt verhindert. Und wäre deutlich weniger aufwendig gewesen. Hier lohnt sich sorgfältiges Abwägen.

  5. Genau sein – und nichts verschweigen
    Die Entscheidung ist gefallen. Gegen die fehlerhafte Darstellung, den negativen Bericht oder die falsche Information gehen Sie vor. Jetzt heißt es sorgfältig sein. Denn sie werden genau beobachtet. Machen Sie jetzt einen Fehler, und sei er noch so klein, oder verschweigen Sie etwas – es wird irgendjemandem auffallen.

Übrigens:
Falls Sie nun auf die Idee gekommen sind, den Streisand-Effekt für sich nutzen zu wollen – tun Sie es nicht!

Es gibt nämlich viel bessere Möglichkeiten für Sie! Und vor allem deutlich weniger riskante.


Wie Sie den Ruf Ihres Unternehmens außerdem schützen können, erfahren Sie im Beitrag "Die eigene Reputation schützen, oder Sich einen guten Ruf bewahren".

Der Streisand-Effekt könnte bei Ihnen zuschlagen? Wie Sie den richtigen Partner finden, der Ihnen jetzt hilft, lesen Sie in "Externe Kommunikationsberatung: Was sie bringt, wie Sie die passende finden".

In diesem Beitrag habe ich Ihnen 10 Fragen zur Kommunikation Ihres Unternehmenskaufs zusammengestellt.


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Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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Susanne Koerber-Wilhelm
Susanne Koerber-Wilhelm
Ich berate und unterstütze mittelständische Unternehmen bei der Kommunikation rund um Sonder- und Krisensituationen. Zusätzlich bin ich als Hochschuldozentin tätig. Sie haben ein Thema? Sprechen Sie mich an: susanne@sukowi.com

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